Sönd wöllkomm im Appenzellerland

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Am Samstag, 29. August 2026, hiess es für einmal nicht „Schürze an und ab an den Herd“, sondern: einsteigen, zurücklehnen und geniessen. Elf Chöche der Obersee Chuchi machten sich auf den Weg ins Appenzellerland. Reini hatte für uns einen abwechslungsreichen Tagesausflug zusammengestellt, bei dem schnell klar wurde: Heute wird nicht gekocht – heute wird entdeckt, gelacht und natürlich auch ordentlich gschmäuslet!

Pünktlich um 08.30 Uhr starteten wir in Lachen. Unser Chauffeur Lenz brachte uns mit dem Kleinbus sicher Richtung Appenzellerland. Und wie es sich für einen Ausflug der Obersee Chuchi gehört, herrschte bereits unterwegs beste Stimmung. Es wurde geredet, gescherzt und viel gelacht – und dies sollte sich den ganzen Tag über nicht mehr ändern.

Unser Appenzeller Wortschatz war zu diesem Zeitpunkt allerdings noch ziemlich überschaubar. Immerhin „Sönd wöllkomm“, also „Seid willkommen“, kannten wir. Dass wir am Abend auch mit Begriffen wie „Schmäusle“, „Goofe“ oder „aadlig“ etwas anfangen konnten, wussten wir da noch nicht.

Dem Geheimnis des Appenzeller Käses auf der Spur

Unser erster Halt führte uns nach Stein in die Appenzeller Schaukäserei. Dort nahm uns Stefanie mit auf eine spannende Reise durch die Herstellung eines der bekanntesten kulinarischen Botschafter der Schweiz.

Und zu entdecken gab es einiges. Die Schaukäserei in Stein wurde bereits 1977 eröffnet und erlaubt einen direkten Einblick in die Herstellung des Appenzeller Käses. In der modernen Käserei werden täglich grosse Mengen frischer Rohmilch aus der Region verarbeitet. Durch die grossen Fenster konnten wir den Käsern bei ihrer Arbeit zuschauen und verfolgen, wie aus Milch Schritt für Schritt ein Appenzeller Käse entsteht.

Besonders eindrücklich war natürlich das grosse Käsekessi. Die Milch wird darin erwärmt, mit Kulturen und Lab versetzt und anschliessend mit der Käseharfe geschnitten. Der so entstandene Käsebruch wird weiterverarbeitet, in Formen abgefüllt und gepresst. Was danach folgt, braucht vor allem eines: Zeit.

Im imposanten Käsekeller lagern Tausende Laibe und warten darauf, dass aus einem jungen Käse ein richtiger Appenzeller wird. Während der Reifung werden die Laibe regelmässig gepflegt und mit jener geheimnisvollen Kräutersulz behandelt, die wesentlich zum charakteristischen Geschmack beiträgt. Je nach Reifedauer entstehen die verschiedenen Appenzeller Sorten – vom milderen bis zum besonders würzigen Käse.

Natürlich interessierte elf Chöche dabei besonders eine Frage: Was ist denn nun eigentlich in dieser berühmten Kräutersulz?

Stefanie blieb standhaft. Das Rezept bleibt geheim.

Seit Generationen wird die genaue Zusammensetzung der Kräutersulz streng gehütet. Wir konnten fragen, schauen und vermutlich hätten wir auch bestechen können – das Geheimnis des Appenzellers nahmen wir jedenfalls nicht mit nach Hause.

Stefanie führte uns kompetent und mit viel Charme durch die Welt des Appenzeller Käses. Gerade für uns Chöche war es spannend zu sehen, wie viel Handwerk, Erfahrung, Geduld und konsequente Pflege hinter einem Lebensmittel stecken, das man sonst ganz selbstverständlich auf ein Stück Brot legt.

Und selbstverständlich blieb es nicht nur bei der Theorie. Ein Appenzeller Käse will schliesslich auch probiert werden. Spätestens da waren sich alle einig: Auch ohne das Geheimnis der Kräutersulz zu kennen, können wir mit dem Ergebnis sehr gut leben.

Appenzell – und jetzt wird gschmäuslet

Danach ging es weiter nach Appenzell. Wir hatten Zeit, durch die wunderschönen Gassen zu flanieren, die farbenfrohen Häuser zu bestaunen und das besondere Ambiente des Dorfes zu geniessen.

Und irgendwann begegnete uns im Gass 17 ein Wort, das wie eigens für die Obersee Chuchi erfunden schien: SCHMÄUSLE. Auf der Karte des Restaurants war es sogar rot hervorgehoben.

Was macht also ein Kochclub, wenn er im Appenzellerland mit einem unbekannten kulinarischen Fachbegriff konfrontiert wird? Man betreibt Feldforschung. Und zwar sofort.

„Schmäusle“ hängt mit „schmausen“ zusammen und bedeutet sinngemäss, gemütlich und genussvoll zu essen, zusammenzusitzen und es sich dabei richtig gut gehen zu lassen. Kurz gesagt: Etwas, wofür elf Chöche der Obersee Chuchi keinerlei Weiterbildung benötigen.

Also nahmen wir im Gass 17 nicht einfach eine Zwischenverpflegung ein. Wir schmäusleten.

Vor uns landete ein feines gemischtes Plättli mit Käse und Trockenfleisch. Dazu etwas zu trinken, gute Gespräche und natürlich wieder jede Menge Gelächter.

Nach wenigen Minuten war die praktische Prüfung bestanden. Schmäusle? Können wir! Und vermutlich hätten wir bei entsprechendem Zeitbudget auch noch einen Fortgeschrittenenkurs absolviert.

42 Kräuter – und das Geheimnis bleibt geheim

Am Nachmittag stand der nächste Höhepunkt auf dem Programm: die Besichtigung bei Appenzeller Alpenbitter. Karin führte uns durch die faszinierende Welt der Kräuter und der Appenzeller Brenntradition.

Seit 1902 wird Appenzeller Alpenbitter hergestellt. Sein charakteristisches Aroma entsteht aus einer Mischung von 42 Kräutern, Gewürzen, Blüten und Wurzeln. Einige davon, darunter Pfefferminze, Lavendel und Zitronenmelisse, werden sogar von Bauernfamilien in der Region angebaut.

Und irgendwie kam uns die Geschichte bekannt vor. Denn wie am Morgen beim Appenzeller Käse lautete auch hier die entscheidende Antwort: Das Rezept ist geheim.

Nur zwei Personen aus der Gründerfamilie kennen die genaue Zusammensetzung und stellen die Kräutermischungen hinter verschlossenen Türen zusammen.

Wir schnupperten, staunten und lernten einiges über die Kräuter und die Herstellung. Karin verstand es ausgezeichnet, uns diese traditionsreiche Appenzeller Spezialität näherzubringen. Und selbstverständlich durfte am Schluss auch probiert werden. Schliesslich sind wir ein Kochclub. Eine seriöse sensorische Prüfung gehört da praktisch zur Stellenbeschreibung.

Auf zum Schnuggebock – noch ahnten wir nichts…

Gut gestärkt und im Schmäusle inzwischen bestens ausgebildet, machten wir uns wieder auf den Weg. Unser nächstes Ziel war der Schnuggebock in Teufen, genauer gesagt im Erlebnis Waldegg hoch über dem Appenzellerland.

Schon beim Ankommen wurde klar, dass dies kein gewöhnliches Restaurant ist. Der Schnuggebock ist eine liebevoll inszenierte Erlebniswelt rund um das frühere Appenzeller Landleben. In den historischen Stuben, zwischen alten Möbeln und allerlei Gegenständen aus Grossmutters Zeiten, fühlt man sich tatsächlich ein wenig in eine andere Epoche versetzt. Zum Erlebnis Waldegg gehören neben dem Restaurant unter anderem auch eine alte Schule und weitere Räume, in denen Appenzeller Geschichte nicht einfach ausgestellt, sondern mit viel Humor erlebbar gemacht wird.

Der Name „Schnuggebock“ passt übrigens wunderbar zu diesem eigenwilligen Ort: Im Appenzeller Dialekt bezeichnet „schnugge“ das Naschen beziehungsweise heimliche Kosten – für elf Chöche also wiederum ein ausgesprochen sympathisches Wort.

Wir schauten uns neugierig um und wussten zu diesem Zeitpunkt nur, dass Reini für 16.00 Uhr eine „Überraschung“ angekündigt hatte. Was genau uns erwartete, verriet er natürlich nicht. Dass wenige Minuten später aus elf gestandenen Chöchen wieder eine Horde Schulbuben werden sollte, Joggeli seine schulische Vergangenheit einholen und Achmed dank Lehrer Bünzli plötzlich eine ganz neue berufliche Perspektive erhalten würde, konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen.

Lehrer Bünzli bittet zum Unterricht

Was Reini im Tages-Programm um 16.00 Uhr lediglich geheimnisvoll als „Überraschung“ angekündigt hatte, entwickelte sich dann zu einem der absoluten Höhepunkte des Tages.

Es ging zurück in die Schule.

Und zwar richtig. Max Bünzli übernahm als Lehrer unsere Klasse und versetzte elf gestandene Chöche innerhalb kürzester Zeit zurück in ihre Kindheit. Oder wie man im Appenzellerland sagen könnte: Aus uns wurden wieder Goofe – also Kinder. Und genau so benahmen wir uns auch.

Plötzlich sassen da keine erwachsenen Männer mehr, sondern eine Schulklasse, bei der Disziplin und Ernsthaftigkeit ungefähr auf dem Niveau unserer damaligen Primarschulzeit lagen. Es wurde gefragt, geantwortet, zurechtgewiesen – und vor allem Tränen gelacht.

Besonders hart traf es Bruno alias Joggeli. Bei ihm stellte Herr Lehrer Bünzli offenbar gewisse schulische Defizite fest.

Das Ergebnis seiner pädagogischen Analyse war eindeutig: Joggeli musste nochmals in die 3. Klasse. Und gemäss unserem Lehrer nicht zum ersten Mal – schliesslich sei er bereits zweimal hockengeblieben. Ob diese Information einer historischen Überprüfung standhalten würde, sei dahingestellt. In diesem Moment spielte das ohnehin keine Rolle mehr, denn die Klasse war kaum noch zu halten. Joggeli nahm sein schulisches Schicksal erstaunlich gefasst. Vermutlich hatte er ja bereits Erfahrung damit.

Doch Joggeli war nicht der einzige Schüler, der Herrn Bünzlis besondere Aufmerksamkeit auf sich zog. Da war nämlich noch Herman, der für die Dauer der Schulstunde kurzerhand zu Achmed, dem türkischen Kind, wurde.

Als die Buben ins Schulbuch schreiben sollten, was sie später einmal werden wollten, bewies Achmed alias Herman erstaunlichen beruflichen Ehrgeiz. Er schrieb: „Physiotherapeut.“ Herr Lehrer Bünzli studierte den Berufswunsch kurz, blickte Achmed an und übersetzte ihn für die übrige Klasse in eine offenbar leichter verständliche Berufsbezeichnung: „Okay – also Folterknecht.“

Spätestens jetzt war es mit jeder Form von Schuldisziplin endgültig vorbei. Die Klasse bog sich vor Lachen. Herr Bünzli hatte seine liebe Mühe mit seinen Goofe – und wir unseren riesigen Spass.

Diese Schulstunde war herrlich. Für kurze Zeit waren wir tatsächlich wieder Buben. Es wurde gelacht, Blödsinn gemacht und natürlich genüsslich zugeschaut, wenn einer der Mitschüler vom Lehrer sein Fett abbekam.

Ein bisschen „aadlig“, wie man im Appenzeller Dialekt für etwas Lustiges, Eigenartiges oder Kurioses sagen kann, war diese Schulklasse zweifellos. Und genau deshalb war sie so grossartig.

Ghackets mit Hörnli – und plötzlich singt das ganze Restaurant

Nach so viel Bildung hatten wir uns das Nachtessen redlich verdient. Im Schnuggenbock wartete ein wunderbar passendes, bodenständiges Menü auf uns.

Den Anfang machte eine Gemüsecremesuppe, gefolgt von einem gemischten Salat. Als Hauptgang gab es einen Schweizer Klassiker, wie er besser kaum zu diesem Tag hätte passen können: Ghackets mit Hörnli und Apfelmus. Zum Abschluss wurde eine gebrannte Creme serviert.

Kein Chichi, sondern ehrliche, bodenständige Küche – und nach diesem erlebnisreichen Tag genau das Richtige. Oder anders gesagt: Wir setzten unsere am Mittag begonnene Weiterbildung im Schmäusle mit grossem Erfolg fort.

Doch einfach nur ruhig essen wäre für die Obersee Chuchi natürlich etwas zu gewöhnlich gewesen. Für die musikalische Begleitung sorgte eine Alleinunterhalterin am Handörgeli, die schnell merkte, was für eine Truppe da vor ihr sass. Wir kennen ihren Namen nicht; aber für uns ist sie ab sofort einfach unsere Ressortleiterin „Musik & Inspiration“.

Extra für uns sang sie schliesslich sogar ein Lied mit einer Kochstrophe. Und dann gab es kein Halten mehr. Sogar unser Vereinslied wurde gemeinsam mit ihr angestimmt.

Die Begeisterung war entsprechend gross – und zwar nicht nur an unserem Tisch. Unser spontaner Auftritt sorgte jedenfalls für einiges Aufsehen im Restaurant. Besonders schön war, dass sich im anderen Saal ausgerechnet ein Jodelverein zum Abendessen eingefunden hatte.

Nun könnte man meinen, dass elf Chöche bei Anwesenheit eines Jodelvereins musikalisch etwas Zurückhaltung üben würden. Weit gefehlt. Die konnten eigentlich nur noch staunen, was da aus Richtung Obersee kam. Ob wir den Jodelverein gesanglich tatsächlich in den Schatten gestellt haben, überlassen wir lieber der Geschichtsschreibung. Gefühlt war es jedenfalls so.

Ein Prosit auf Alois

Einer darf in diesem Reisebericht keinesfalls vergessen gehen: Alois.

Er hatte kürzlich Geburtstag und liess es sich nicht nehmen, sämtliche Getränke während unseres Ausflugs zu bezahlen. Eine überaus grosszügige Geste, für die wir uns ganz herzlich bedanken.

Natürlich konnte eine solche Tat nicht unkommentiert bleiben. Während der Busfahrt wurde Alois‘ Geburtstag deshalb gleich mehrfach musikalisch gewürdigt. Man könnte auch sagen: Je länger der Tag dauerte, desto sicherer wurde unser Chor. Ob Alois seine Grosszügigkeit angesichts unserer zunehmenden Sangesfreude irgendwann bereute, ist nicht überliefert.

Alois jedenfalls musste sich unser Geburtstagsständchen mehr als einmal anhören. Herzlichen Dank, Alois, für die grosszügige Runde!

Ein Tag, der in Erinnerung bleibt

Gegen 21.00 Uhr machten wir uns schliesslich wieder auf den Heimweg. Hinter uns lag ein Tag voller Genuss, Appenzeller Traditionen, interessanter Einblicke und wunderbarer Begegnungen.

Wir haben erfahren, wie aus frischer Milch Appenzeller Käse entsteht – ohne allerdings das Geheimnis der Kräutersulz zu lüften. Wir sind durch Appenzell flaniert und haben gelernt, was Schmäusle bedeutet – und umgehend bewiesen, dass wir darin bereits über erhebliche Vorkenntnisse verfügen.

Wir haben an Kräutern geschnuppert und festgestellt, dass auch 42 davon ihr Geheimnis nicht freiwillig preisgeben.

Wir wurden bei Herrn Bünzli nochmals zu Goofe, Joggeli musste ein weiteres Mal in die 3. Klasse und Achmed alias Herman entdeckte seine berufliche Zukunft als Physiotherapeut – beziehungsweise, nach der fachkundigen Berufsberatung unseres Lehrers, als Folterknecht.

Wir haben gegessen, getrunken, gesungen, gschmäuslet und vor allem eines getan: unglaublich viel gelacht.

Genau solche Tage machen unseren Verein aus. Gemeinsam unterwegs sein, Neues entdecken, gut essen und trinken – und dabei den Humor nie zu kurz kommen lassen.

Ein ganz besonderer und herzlicher Dank geht deshalb an Reini, der diesen wunderbaren Ausflug mit viel Engagement geplant und organisiert hat. Das Programm war von morgens bis abends hervorragend zusammengestellt und eine Überraschung folgte auf die nächste.

Und ebenso ein grosses Dankeschön an Lenz, der uns den ganzen Tag mit dem Bus sicher durchs Appenzellerland und am Abend wieder nach Hause gebracht hat.

Reini und Lenz – herzlichen Dank! Es war ein sensationeller Tag.

Und falls uns die Appenzeller nach diesem Tag tatsächlich nochmals empfangen wollen, haben wir auch dafür den passenden Ausdruck gelernt: „Chönd zonis!“ – Kommt uns wieder besuchen! Das lassen wir uns bestimmt nicht zweimal sagen.

Oder, um zum Abschluss nochmals etwas Appenzellerisch zu werden: Sönd wöllkomm waren wir am Morgen – gschmausert, gelacht und glücklich heimgekehrt sind wir am Abend.

Ein wunderbarer Ausflug der Obersee Chuchi, an den wir uns noch lange und sehr gerne erinnern werden.

Die Fotos der Chochete (176)

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